Kuno

Seitdem ich vor ca. 10 Jahren in den USA einen traumhaft schönen braunen Labrador kennengelernt habe, wollte ich so einen Hund haben.

Zu diesem Zeitpunkt gab es noch Henry, unseren Golden Retriever. Als dieser 2002 mit 14 Jahren starb, wollten meine Eltern keinen Hund mehr wegen Urlaub etc.... und ich konnte nicht wegen Etagenwohnung und Vollzeitjob.
Doch wir kamen auf einen Nenner. Ein neuer Hund sollte tagsüber bei meinen Eltern bleiben und abends, nach der Firma, dann bei mir sein.
 
Ende 2006 hörte ich über eine Freundin von einem Wurf brauner Labradors, und habe meine Eltern mit dem Argument überedet einen davon zu nehmen. Zu dem Zeitpunkt dachte ich "fälschlicherweise", daß diese Rasse ganz ruhig und pflegeleicht ist:-)

So zog Kuno im Alter von 8 Wochen bei uns ein. Ich absolvierte eine Welpengruppe und ging dann mit Kuno in einen Gruppenkurs zu weiteren Erziehung.
Im Frühling 2007 wurde meine Mutter schwer krank und die meiste Zeit des Tages kümmerte sich dann nur noch mein Vater um ihn.

Kuno war ein Lamm, allerdings ein sehr Lebhaftes und mit der Zeit fing er draussen bei den Gassigängen an, andere Hunde an der Leine anzupöblen.

Mein Vater war mit der Situation überfordert, und mir wurde bewusst, dass sich in Kuno's Verhalten etwas ändern muss, - so bald wie möglich.
Über eine Bekannte erfuhr ich, dass Nicole und Susanne auch mit schwierigen Hunden erstaunliche Erfolge hatten, und so vereinbarte ich mit den beiden einen Einzeltermin.
Durch sie erfuhr ich viel über hundliches Verhalten und dass ich bei meinen täglichen Umgang mit Kuno etwas ändern musste.
Mit Erfolg! Kuno entwickelte sich in kurzer Zeit zu einem folgsamen Lamm.

Nach den Einzelterminen nahm ich an den Gruppenstunden  mit Kuno teil.
Susannes eigene Labradors werden auch jagdlich geführt und dementsprechend ausgebildet. Ich war begeistert  von der Leistungsfähigkeit dieser Rasse und was man erreichen kann, wenn die Hunde richtig geführt werden!

Also entschloß ich mich, Kuno im Bereich seiner jagdlichen Fähigkeiten weiter auszubilden.
Im Einzeltraining mit Susanne lernte ich den theoretischen Teil einer jagdlichen Ausbildung, Kuno den praktischen Part:
Dass diese Ausbildung so anspruchsvoll für Führer und Hund ist, hätte ich nie gedacht! Hierbei ist mir bewusst geworden, zu welchen Leistungen Hunde fähig seien können, wenn sie die richtige Ausbildung hierzu bekommen.

Ich hatte mir zuvor nie Gedanken darüber gemacht, welche Anforderungen ein Hund erfüllen muß, bevor er einen Jäger zur Jagd begleiten darf!
Der Gehorsam ist ein absolutes MUSS. In jeder Situation muss der Hund für den Hundeführer noch im Kopf erreichbar sein und notfalls auf ein einziges kurzes Signal sofort reagieren - aber richtig reagieren,- im Sinne des Jägers.
Ich habe vorher nicht verstanden, was Susanne meinte, wenn sie sagte, dass man einen Jagdhund mit dem Triebverhalten ausbilden soll, um einen zuverlässigen und freudigen Jagdkameraden zu haben. ( Jeder Jagdhund hat doch den Jagdtrieb, da kann man doch nur mit dem Trieb arbeiten?), aber erst innerhalb der Ausbildung habe ich gesehen, wieviele Jäger gegen den Trieb des eigenen Hundes arbeiten. Das Wild ist immer die "höchste" Beute, denkt man. Und so ist es in der klassischen Jagdhundeausbildung immer noch sehr schwer, den Hund - wenn keine Jagdarbeit ansteht - wieder auf normale Lebenssituationen zuzrückzuschrauben. Welcher Jäger hat schon die Möglichkeit, jeden Tag dem Hund Jagd zu bieten? In den meisten Fällen begleitet der Hund den Jäger am Wochenende zur Jagd, die Rest der Woche soll er ein braver und folgsamer Begleithund sein. Spätestens nach freudigem Kontakt mit Wild, ist der Dummy für den Hund uninteressant.

Zum Gehorsam gehört auch, auf jeden Außenreiz verzichten zu können, ruhig auf mein Kommando zu warten. Mir war überhaupt nicht bewußt, wie beispielsweise Ansitzjagd in der Praxis aussieht. Einen Hund mit 30 Kilo trägte man nicht mal so eben auf einen Hochsitz von 2 Meter oder mehr. Da muß der Hund unter dem Sitz liegen. Ruhig, ohne jege Erregung, darauf wartend, dass der Hundeführer ein neues Kommando gibt, - auch wenn Wild kommt.

Ein Reh, dass nicht geschossen werden darf, auch wenn es während der Blattzeit auf  2 Meter an den Sitz herankommt, muss der Hund es ignorieren.

Neben dem Gehorsam hat Kuno gelernt seine Nase perfekt einzusetzten. Ob auf der "Haarwild,- der Federwildschleppe oder bei der Schweißarbeit".
Ich habe dabei gelernt, meinen Hund zu lesen. Ist er noch auf der  Schleppe oder Fährte, oder ist er fehlgeleitet?
Woran sehe ich, dass er noch auf der richtigen Fährte ist?  Das habe ich mit Susanne's Hilfe gelernt. Genauso wie Vertrauen zu haben in den Fähigkeiten von Kuno. Nicht sauer zu werden, wenn mal etwas schief gelaufen ist, sondern meine Führungskompetenz hervorzustellen.
Hierbei habe ich insbesondere gelernt, meine eigene Körpersprache besser zu kontrollieren, - um Kuno besser steuern zu können auch auf Distanz.

Erstellt am von Kuno