Ole

Eines halbes Jahr nachdem unser Stafford Jogi  verstorben war, entschlossen wir uns, wieder einen Hund aus dem Tierschutz zu übernehmen. Da wir immer schon schwierige Hunde gehabt hatten, sollte es ein Hund sein, der ansonsten keine Chance auf eine Vermittlung mehr hätte.

Über die Homepage des Tierheim Velberts stießen wir auf Ole, einen ca. 4 Jahre alten Mischlingsrüden, der sein ganzes Leben  – mit Ausnahme weniger Wochen- im Tierheim verbracht hatte.
Alle Horrorgeschichten über Ole konnten uns nicht beeindrucken. Sogar Ole selbst schaffte es auf den Spaziergängen mit uns nicht, - obwohl er sich bei jedem Spaziergang mit rüpelhaftem Benehmen dabei äußerste Mühe gab.



Mit Ole lernten wir Nicole kennen, die ihn als Hundetrainerin des Tierheims bereits ein Jahr betreut hatte. Auf gemeinsamen Spaziergängen erfuhren wir viel über Oles Probleme und wie wir damit umzugehen hatten.

Nach einiger Zeit besuchte sie uns mit Ole zu Hause und gemeinsam mit ihr begannen wir die Integration in unser Haus. Besonders wichtig war, dass Ole mit unserer alten, blinden Hündin Mücke klar kam.
Schneller als gedacht, war es schließlich soweit. Am Freitag, den 18.Januar 2008 kam Ole endgültig zu uns. Eigentlich war vereinbart, dass Ole zunächst in unserem Anbau wohnen sollte, -quasi eine freie Wohnung, wo Gäste sonst übernachteten. Damit war er aber überhaupt nicht einverstanden, und auch uns viel es schwer, den neuen Familienzugang nicht unmittelbar bei uns zu haben. So zog Ole nach zwei Tagen von der Gäste-Residenz direkt in unseren Korridor. Damit war er allerdings total überfordert, er verteidigte den Flur gegen Alles und Jeden.
Nicole hatte mit Ole im Tierheim für bestimmte Situationen in seinem Leben Stabilität und Selbständigkeit gegeben, aber das betraf  nur  „Outdoor“- Situationen.


Normale Dinge des Alltags im Haus, hatte sie ihm nicht zeigen können.


Als Ole zum ersten Mal an einer laufenden Waschmaschine vorbeigehen sollte, verkroch er sich unter einem Schrank. Aber auch ein aufgeschlagenes Ei in der Schüssel brachte Ole aus der Fassung. Er reagierte „böse“ auf uns. So erhielten wir für die Übergangszeit eine Hausordnung, die einige wenige Dinge beinhalteten: Ruhezeiten für Ole, Beschäftigungszeiten, Art der Beschäftigung.
Wir befolgten diese Hausordnung und sie zeigte Erfolge. Ole wurde ruhiger, reagierte nicht mehr so aggressiv auf bestimmte Muster. Wir vernachlässigten die Hausordnung und Ole durfte wieder die Dinge so regeln, wie sie ihm passten.



An einem Morgen  wollte ich lediglich an Ole vorbei gehen. Hier hatte Ole aber beschlossen, dass das nun gar nicht möglich sei. Er knurrte so böse, wie er es noch nie zuvor getan hatte. Ich bekam Angst und wollte meine Tochter rufen, die sich zu diesem Moment im Stall aufhielt. So öffnete ich das Fenster im Flur. Dieses Fenster geht direkt in die Pferdebox des Hengstes „Fohli“, der sich während seiner Futterzeit äußerst gestört fühlte und entsprechend reagierte: Er streckte seinen Kopf in die Wohnung um wütend zu schnauben. Ole war in diesem Moment sichtlich von der Präsenz unseres Pferdes beeindruckt und beschloss sich schweigend und demütig in seinen Korb zu legen.

Nicht jeder hat ein Pferd zu Hause, geschweige denn im Flur bei Gefahr zur Verfügung. Hier war es eine glückliche Fügung, die die Situation entschärfte. Das ließ uns sensibler und auch vorsichtiger werden und wir nahmen uns die Ratschläge von Nicole zu Herzen. Behutsam – über Wochen hinweg- wurde Ole immer ein Stückchen weiter in die anderen Räume und in unseren Tagesablauf integriert.

Ole ist nun über ein Jahr bei uns und hat  Zugang zu allen Räumen und versteht sich auch mit unserer Mücke, der alten, blinden Terrierhündin.

Erstellt am 01/01/1970 von Besitzerin von Ole